X Wohnungen – Theater in privaten Räumen
2002
Idee und Konzept: Matthias Lilienthal
Dramaturgie: Arved Schultze
Ausstattungsleitung: Steffi Wurster
Produktionsleitung: Sven Heier
Theater der Welt, Duisburg
X Wohnungen – Theater in privaten Räumen
2002
Idee und Konzept: Matthias Lilienthal
Dramaturgie: Arved Schultze
Ausstattungsleitung: Steffi Wurster
Produktionsleitung: Sven Heier
Theater der Welt, Duisburg










Künstler schufen Mini-Inszenierungen und Installationen in Privatwohnungen, die auf einem Stadterkundungsparcours durch die Duisburger Viertel Duissern, Bruckhausen und Marxloh zu sehen waren. Die temporären Bühnen und Raumideen sind direkt für die jeweilige Wohnung mit oder ohne Hilfe ihrer Bewohner entstanden. Beteiligte Künstler waren Gerhard Benz, Hans-Peter Boeffgen, Claudia Bosse, Rodrigo Garcia, Götz George / Jochen Schumacher,»Hofmann & Lindholm«, Bobo Jecic / Natasa Rajkovic, Stefanie Lorey / Björn Mehling, Sidi Larbi Cherkaoui, Stephan Miller, Janec Müller, »Tobias Z.«, Luk Perceval, Alexander Petlura, Johannes S. Sistermanns, Paul Slangen, Kristian Smeds, Rubén Szuchmacher / Edgardo Rudnitzky, Thomas Thieme / Julia von Sell, Nadia Ross / Jacob Wren, Daniel Veronese, Anna Viebrock, Krzysztof Warlikowski, Steffi Wurster, Jörg Zboralski.
Am Start in Peter Pomm's Pusztetten Bude (die gibt's wirklich) bekommen je zwei Theatergänger einen Routenplan, der sie dann zum Beispiel ins traute Heim der Familie Okomus führt, das mit roten Absperrkordeln zu einem türkischen Neuschwanstein präpariert ist. Oder in eine ehemalige Moschee, wo eine Schauspielerin Racines großen Phädra-Monolog hält und nebenbei mit blanker Brust ein paar türkischen Jungs die Augen dafür öffnet, wie reizvoll Theater sein kann. Ein paar Straßen weiter geben echte Eingeborene ein Pils aus, wenn man mit ihnen den Test "Türkisch für Anfänger" macht und über das Image ihres Stadtteils schwadroniert. Zum Beispiel darüber, dass die verlassenen Bergarbeitersiedlungen nicht saniert werden, weil es mehr Profit verspricht, sie als Filmkulisse zu vermieten. Darüber, wie es ist, in einer Vitrine des Verfalls leben zu müssen.
Nach drei Stunden on the road weiß man nicht mehr, was Wirklichkeit ist und was Inszenierung. Der riesige Laden mit Gebrauchtmöbeln, der gerade erst eröffnet ist und schon aussieht wie seit fünf Jahren geschlossen - ein Kunststück? Die Säufer am Büdchen - bezahlte Statisten oder arme Schweine? Totales Stadt-Theater: jeder Bewohner spielt die Rolle seines Lebens. Christof Siemes Die Zeit 28/2002
Dokumentation